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31. August 2021
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9. März 2021 - Merten

wie kann künstliche Intelligenz die Wissenschaftskommunikation stärken?

 

Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) sind in der professionellen Kommunikation, in Journalismus und PR, angekommen. Fußballspielberichte werden automatisch geschrieben und veröffentlicht, Chatbots übernehmen rund und um die Uhr die Kundenkommunikation und welches Video, welcher Userin auf den Social-Media-Feeds angezeigt wird, entscheidet ebenfalls kein Mensch. Auch die vielen kleinen Aufgaben, Arbeitsschritte und Entscheidungen im Arbeitsalltag professioneller Kommunikator*innen werden von intelligenten Werkzeugen (teil-)automatisiert erledigt und getroffen. Das können KI-basierte Übersetzungstools, die inzwischen fast jeder nutzt. Aber auch komplexere Systeme, die auf Basis von großen Datenmengen von Usern selbständig die Startseite eines Nachrichtenportals kuratieren. 

 

Welche massiven Auswirkungen das auf die Branchen hat, zeigt sich verdichtet, in Schlagzeilen, wie „Nachrichtenportal MSN soll von Maschinen gestaltet werden“ oder „Stellenabbau im Zalando-Marketing: ‚Der kreative Marketer wird durch den datengetriebenen ersetzt‘“

 

In der Wissenschaftskommunikation werden wir in nächster Zeit eher nicht von Maschinen ersetzt. Da wir uns aber in den digitalen, auf intelligenten Algorithmen basierenden Räumen, in direkter Konkurrenz zu PR und Journalismus stehen, müssen auch wir uns mit KI beschäftigen, um in dem Wettbewerb um Aufmerksamkeit mithalten zu können.

 

Das Voraussetzungen für den Einsatz von KI in der Wissenschaftskommunikation sind dabei nicht schlecht. Wir können auf die Erfahrungen von Journalismus und PR zugreifen und ihre Tools für uns nutzen. Gleichzeitig forschen an den Hochschulen und Instituten die KI-Expert*innen quasi nebenan. Einen riesen Vorteil, den wir für uns ausnutzen können. Schließlich produziert das Wissenschaftssystem riesige Mengen von maschinenlesbaren, oft auch öffentlich zugänglichen Daten, die sehr gut als Grundlage für KI-gestützte Wissenschaftskommunikation dienen können.

 

Die Implementierung von KI in Wissenschaftskommunikation kann schon jetzt mit dem gezielten Einsatz von KI-Werkzeugen erfolgen. Gerade kleinerer Pressestellen, die aufgrund von mangelnder Kapazität oder fehlender Wissen, bestimmte digitale Formate oder Kanäle, bisher nicht nutzen, können Arbeitsabläufe automatisieren. Mit Lumen5 können beispielsweise für Social-Media optimierte Videos aus Pressemitteilungen erstellt werden. Ganz ohne Schnitt- oder Videbearbeitungskenntisse.

 

Auch die Idee von einem Robo-Wissenschaftskommunikator, der selbstständig Paper in leicht verständliche Texte übersetzt, ist mit Blick auf die beeindruckenden Innovationen wie GPT-3, keine unrealistische Vision mehr.

 

Damit KI in der Wissenschaftskommunikation erfolgreich eingesetzt werden kann, braucht es Räume und Offenheit zum Experiment, systematische Reflektion sowie stärkere Daten- und Algorithmus-Kompetenz. 

 

Artur Krutsch arbeitet als Wissenschaftskommunikator am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und hat sich in der Masterarbeit im Studiengang Wissenschaftsmanagement an der TU Berlin mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Wissenschaftskommunikation beschäftigt.

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